Den Brocken-Rundweg und die Aussicht vom höchsten Berg Norddeutschlands habe ich hier schon gezeigt. Den Rückweg vom Gipfel wanderten wir bis Schierke und fuhren von dort mit der Brockenbahn zurück nach Wernigerode.
Die Landschaft entlang der Weges war zunächst ein erschreckender Anblick. „Ein toter Wald“ war mein erster Gedanke: ein Friedhof aus Totholz mit kahlen, verzweigten Baumgerippen.
Infotafeln am Wegesrand bezeichneten das Geschehen aber als „Landschaft im Wandel“. Sehen wir hier also nur eine kaputte, Landschaft, die Opfer der Klimakrise wurde, oder ist es eine Momentaufnahme auf dem Weg zu einem neuen, stabileren Ökosystem? Mit dieser Frage habe ich mich für diesen Beitrag eingehender beschäftigt.
Ursachen für das Waldsterben im Harz
Der größte Teil des Baumbestandes im Harz ist kein natürlich gewachsener Wald, sondern ein Forst. Angelegt im 18. und 19. Jahrhundert um den hohen Holzbedarf des Bergbaus weiterhin zu decken, nachdem die ursprünglichen Laubwälder abgeholzt waren. Schnell wachsende Bäume, insbesondere die Fichte, wurden dafür in riesigen Monokulturen angepflanzt. Solche Monokulturen sind aber von Natur aus anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, als Mischwälder.

Die Fichte schützt sich normalerweise durch Harz gegen Angreifer. In Folge der extrem trockenen Sommer ab dem Jahr 2018 konnten die Bäume durch Wasser- und Nährstoffmangel nicht mehr genug Harz produzieren. Die geschwächten Bäume boten nun dem Borkenkäfer das ideale Umfeld, um sich explosionsartig zu vermehren. Was ich Eingangs als toten Wald bezeichnete, ist also die Kombination aus der Forstwirtschaft der Vergangenheit und der Klimakrise der Gegenwart.
Landschaft im Wandel: Totholz als Lebensspender
Hier im Nationalpark Harz werden die abgestorbenen Bäume aber nicht entfernt, um dann großflächig wieder aufzufordern. Die Natur wird hier weitestgehend sich selbst überlassen: Das Totholz bietet bietet Lebensraum und Nährstoffe für das neue Ökosystem. Insekten, Pilze; Flechten und Moose siedeln sich auf oder in dem liegenden und stehenden Totholz an. Insekten und der Borkenkäfer selbst sind Nahrung für verschiedene Vögel. Die langsam verrottenden Baumstämme setzten Nährstoffe frei, die den Boden für die nachwachsenden Pflanzen anreichert. Liegende Stämme verhindern Bodenerosion und halten Feuchtigkeit im Boden. Außerdem dienen sie als natürliche Barrieren, die neue, junge Bäume vor Wind und Wetter schützen.

Ein Blick in die Zukunft: Widerstandsfähige Mischwälder
Die Fichten-Monokulturen sterben ab, der Wald verschwindet aber nicht. Zwischen den abgestorbenen Stämmen sieht man junge Laubbäume, die sich hier ansiedeln – Buchen, Eberesche und Ahorn. Diese Baumarten sind von Natur aus besser an trockene und wärmere Bedingungen angepasst. Die Strategie des Nationalparks ist es, der Natur Zeit zu geben, in den jetzigen Klimabedingungen einen stabileren Mischwald aufzubauen.

Die kahlen Hänge sind ein trauriger Anblick, wir sehen hier aber auch den Beginn einer notwendigen Transformation bei der sich die Natur selbst regeneriert, wenn man ihr die Zeit dazu lässt. Künftige Generationen werden hier also in 30 oder 40 Jahren wieder ein ganz anderes, hoffentlich vitaleres Bild vom Harz sehen.

Weitere Informationen zur Waldsituation im Harz findest Du auf der —>Website von harzinfo (Link öffnet in neuem Fenster)








Das hoffe ich ja sehr.
Manche Areale sehen dort wirklich erschreckend aus.
Vielleicht lernt der Mensch ja und lässt die Natur machen.
Hoffen wir, dass das Vorhaben gelingt und keine Nachfolger nachhelfen.
Man kann nur hoffen dass sich die Laubbäume durchsetzen und neue Wälder erschaffen!
Hoffentlich lernen die Menschen daran und setzen auf Mischkulturen, wo immer es geht. Der Förster Wohlleben macht schon länger darauf aufmerksam.
Liebe grüße,
SyntaxiaSophie
Leider ist es so, dass die Menschheit zwar lernt, aber das gelernte nicht immer anwendet…
Ich muss sagen, als ich vor ca. zwei Jahren die abgestorbenen Bäume dort gesehen habe, war ich schon etwas erschrocken. Es ist ein wirklich bedrückender Anblick, der zum Nachdenken anregt. Dennoch scheint es eine notwendige Entwicklung für die Natur zu sein. Die langen Jahre der Monokultur hinterlassen offensichtlich tiefe Spuren in unseren Wäldern. Man kann die Folgen leider nicht mehr leugnen. Es ist wichtig, dass wir lernen, wie wir solche Probleme in Zukunft vermeiden können. Ein Neustart, so schmerzhaft er auch sein mag, scheint unausweichlich. Hoffen wir, dass daraus neue, widerstandsfähigere Wälder entstehen können.
Gruß Michael
Ja, es wäre schön, wenn der Plan funktioniert.