Draußen herrscht aktuell ungemütlich kaltes Wetter, das mich nicht dazu einlädt, mit der Kamera durch die Natur zu ziehen. Stattdessen nutze ich die Zeit, um weiterhin Ordnung in mein Bilderarchiv zu bringen. Dabei entdeckte ich das folgende Bild einer Köcherfliege aus dem Jahr 2020 wieder, das einen der ersten Versuche mit meinem damals neu angeschafften Makro-Objektiv zeigt.
Bis dahin hatte ich Makro- und Nahaufnahmen mit einem 18-300 mm Zoomobjektiv gemacht. So ein Objektiv hat aber bei solchen Aufnahmen einige Nachteile, die mich zur Anschaffung eines Makroobjektivs veranlassten. Welche das sind erkläre für die an Technik Interessierten am Ende des Beitrags, zunächst zum Bild:
Ein kleiner Baumeister – die Köcherfliege
Ein sonniger Morgen im Mai am Ufer der Ruhr. Im Gras entdeckte ich ein kleines dunkles Tierchen, welches ich mir durchs Makroobjektiv näher ansah. Und weil fotografieren bekanntlich neugierig macht, wollte ich wissen, was für ein Insekt hier so elegant an einem Grashalm sitzt.

Die Köcherfliege sieht auf den ersten Blick aus wie eine Motte. Wenn man, dank Makrolinse, genauer hinsieht, erkennt man aber, dass die Flügel fein behaart sind, nicht beschuppt wie bei Schmetterlingen. Diesem Detail verdankt die Köcherfliege ihren wissenschaftlichen Namen Trichoptera (griechisch für „Haarflügler“).
Interessant ist die Biologie dieser Fliegen: Bevor sie hier so dekorativ im Gras sitzen konnte, verbrachte sie ihre Jugend unter Wasser. Die Larven der Köcherfliege sind kleine Baumeister, die sich aus Sand, Steinchen und Pflanzenresten ein köcherförmiges Schutzgehäuse bauen. Die Larven reagieren sehr empfindlich auf Verschmutzung, ihre Anwesenheit ist also ein Zeichen für die Reinheit eines Gewässers. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Wochen und ihr einziger Fokus ist die Fortpflanzung, weshalb man sie meist nahe an Gewässern findet.
Was mir an dem Bild besonders gefällt: Der Hintergrund verschwimmt zu einem Meer aus Licht und Farbe, es scheint fast, als würde die Fliege auf einer smaragdgrünen Bühne schweben.
Ab hier wird es technisch: Wer sich dafür nicht interessiert, scrollt einfach bis zum Ende des grauen Kastens.
Daten zum Bild: Canon EOS 700D mit Sigma 105 mm Makro, aufgenommen im RAW-Format.
Blende f/4..5, Belichtungszeit 1/400 Sek, ISO 200
Entwickelt mit Adobe Lightroom. Weitere Bearbeitung: Die Fliege maskiert mit der Objektauswahl und die Tiefen etwas angehoben.
Warum lieber ein Makroobjektiv als ein Zoom?
Ein Zoom-Objektiv wie mein 18-300 mm ist ein gutes „immerdrauf-Objektiv“, mit dem sich in den meisten Situationen gute Ergebnisse erzielen lassen – und natürlich kann man damit auch Makro- oder Nahaufnahmen machen. Makroobjektive sind Festbrennweiten, und die haben eine Reihe Vorteile, die mich dann veranlassten, mir ein richtiges Makroobjektiv zuzulegen:
- Die Abbildungsleistung: Festbrennweiten sind optisch auf eine einzige Brennweite optimiert und liefern eine höhere Schärfe und weisen weniger Verzeichnung auf, vor allem in den Randbereichen.
- Der Abbildungsmaßstab: Ein Makroobjektiv bildet das Motiv in Originalgröße auf dem Sensor ab (Maßstab 1:1), ein Zoom vergrößert zwar, erreicht aber nie die gleiche Detailtiefe.
- Lichtstärke und Beugungsunschärfe: Mein Zoomobjektiv hat im Nahbereich eine Anfangsblende von f/6.3 bis f/7.1. Dadurch ist man entweder auf sehr helles Umgebungslicht oder hohe ISO-Werte angewiesen. Wenn man dann noch versucht ist, für etwas mehr Schärfe weiter abzublenden, kommt die Physik ins Spiel: Man ist schnell im Bereich der Beugungsunschärfe und aus scharf wird matschig (eingestellte Blende und effektive Blende spielen hier eine Rolle, aber ich gehe hier mal nicht zu sehr sehr ins Detail – das soll ja hier kein Buch werden). Festbrennweiten deutlich lichtstärker, mein Makroobjektiv beginnt bei f/2.8.
- Das Bokeh: Durch die höhere Lichtstärke der Festbrennweite lässt sich der Hintergrund viel schöner in Unschärfe auflösen (Bokeh), wodurch das Motiv plastisch hervortritt.
An dieser Stelle kann man natürlich einwenden, dass es inzwischen auch lichtstarke Zooms mit einer durchgehenden Blende von f/2.8 gibt. Aber auch diese erreichen im extremen Nahbereich nicht die Qualität einer Festbrennweite, sind deutlich schwerer und erreichen meist nicht den Abbildungsmaßstab 1:1.
Nicht zu vergessen, der Preisunterschied: Lichtstarke Profi-Zooms kosten zwischen 1500 € und 3000 €, für sehr gute Makroobjektive zahlt man zwischen 400 € und 900 €.
Durch diesen kleinen Ausflug in die Technik ist dieser Beitrag nun deutlich länger geworden, als ursprünglich geplant – aber ich hatte ja schon „angedroht“, dass es hier fortan mehr Infos zu den Bildern gibt…
Zum Vergleichen findest Du hier ein Makro, das ich mit dem Zoom aufgenommen habe —>Ein Schmetterling genießt die Sonne




Hallo Richard,
ein toller Rückblick mit einem tollen Foto.
Auch hast Du eine sehr gute Beschreibung dazu geschrieben wie es mit den Makros so ist was man braucht und wie es am Besten geht.
Liebe Grüsse Claudia