Gold State Coach – 4 Tonnen Prunk, Seekrankheit und 12 Milliarden Euro?

Gold State Coach Frontansicht

In meinem Beitrag zum Blattgold hatte ich die Gold State Coach vorgestellt. Dazu gab es einige Kommentare mit interessanten Fragen und Gedanken, die Stoff für einen extra Beitrag über diese Kutsche liefern. Beschäftigen wir uns in diesem Beitrag also mit Fakten und Phantasien rund um dieses Gefährt, das man in den Roayl Mews in London besichtigen kann.

Was wiegt die Gold State Coach, wie teuer war sie und was wäre wenn…

Die augenzwinkernde Bemerkung „ach, doch nicht pur?“ und die Frage nach den Kosten in den Kommentaren veranlasste mich, genau das mal zu ergründen: Die Kutsche ist aus Eichenholz gebaut und mit einer hauchdünnen Schicht Blattgold überzogen. So wiegt sie rund 4 Tonnen und es werden 8 Pferde benötigt um sie über die Londoner Straßen zu ziehen. Zusätzlich wird noch ein „Brake Man“ benötigt. Der läuft hinterher, um im Notfall die Handbremse zu bedienen.

Perspektivische Ansicht der Gold State Coach von hinten in den Royal Mews London. Im Fokus stehen die vergoldeten Hinterräder, die Tritonen-Skulpturen mit Dreizack und die prachtvolle Verzierung des Gehäuses.
Blick auf das Handwerk: Die massiven Räder und die detailverliebten Skulpturen am Heck tragen maßgeblich zum Gesamtgewicht von 4 Tonnen bei.

Was kostet so viel Glanz? Die Rechnung von 1762 belief sich auf 7.562 Pfund. Das Klingt erstmal recht preiswert, rechnet man das aber in heutige Kaufkraft um, sind das 1,5 bis 2 Millionen Euro.

Und was wäre, wenn die Gold State Coach aus purem Gold wäre? Dann wäre das Wägelchen etwas schwerer, so rund 100 Tonnen. Richtig viel Freude hätte man daran auch nicht: Gold ist so weich, dass die Kutsche unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen würde. Mit dem dann verbleibenden Goldklumpen hätte man aber für eine Weile ausgesorgt. Den Goldpreis Anfang 2026 zugrunde gelegt, kommt man auf knapp 12 Milliarden Euro.
Genug phantasiert, zurück zu den Fakten.

Außen Gold, innen seekrank – die berühmten Fahrgäste und der Komfort

Zu ihrer geplanten Premiere kam die Kutsche zu spät. Ursprünglich sollte sie König Georg III. im Jahr 1761 zu seiner Krönung fahren, war aber erst ein Jahr später fertig. Er nutzte sie dann zur Parlamentseröffnung. Ab 1831 wurde dann jeder britische Monarch in der Gold State Coach zur Krönung gefahren. Die Begeisterung der Insassen hielt sich aber in Grenzen, sie sollen die Fahrt in der Kutsche wie folgt beschrieben haben:

  • König William IV. (1831): Er war ein ehemaliger Marineoffizier und verglich die Fahrt mit dem Aufenthalt auf einem „Schiff in schwerer See“.
  • Königin Victoria (1838): Sie klagte über das „beunruhigende Schwingen“ der Kabine und weigerte sich später oft, die Kutsche zu benutzen.
  • König Georg VI. (1937): Der Vater von Elisabeth II. nannte die Fahrt zu seiner Krönung „eine der ungemütlichsten Fahrten meines Lebens“.
  • Königin Elisabeth II. (1953): Sie beschrieb die Reise in der Kutsche schlicht als „schrecklich“. Bei ihrem Platin-Jubiläum 2022 wurde sie übrigens nicht mehr selbst hineingesetzt – stattdessen wurde ein Hologramm der jungen Queen in die Fenster projiziert.
  • König Charles III. & Königin Camilla (2023): Sie nutzten die Kutsche nur für die Rückreise von der Westminster Abbey zum Buckingham Palace. Um den Rücken des Königs zu schonen, fuhren sie auf dem Hinweg allerdings in der moderneren Diamond Jubilee State Coach (mit Klimaanlage und Stoßdämpfern!).
Rückansicht der Gold State Coach in den Royal Mews London. Die Aufnahme zeigt die großen Hinterräder, die vergoldeten Tritonen-Skulpturen mit Dreizack und das verzierte Rückpaneel der Kabine.
Blick auf das prachtvolle Heck: Die Tritonen an der Rückseite tragen Dreizacke und bewachen die Kabine, in der die Monarchen zur Krönung fahren.

Warum war die Fahrt in der Kutsche so unbeliebt? Außen purer Luxus, aber im inneren war die Kutsche schon bei ihrem Bau technisch veraltet. Sie hat keine modernen Federn, sondern sie hängt an dicken Lederriemen. Dadurch schwingt sie nicht vor und zurück, sondern auch seitlich sehr stark (daher der Vergleich mit der Seekrankheit).

Nahaufnahme der kunstvoll bemalten Seitenpaneele der Gold State Coach, umrahmt von prunkvoll geschnitztem Blattgold. Zu sehen sind allegorische Szenen des italienischen Malers Cipriani.
Kunst auf Rädern: Die Paneele wurden vom Italiener Giovanni Battista Cipriani bemalt und zeigen Symbole für den Sieg und den Wohlstand Großbritanniens.

Die historische Kutsche ist nicht isoliert und hat auch offene Fenster. Bei der Krönung von Elisabeth II. war es so kalt, dass das Personal ihr heimlich eine Wärmflasche unter den Sitz band.

Die PS vor dem Gold – Die Windsor Greys

Wenn die Gold State Coach zum Einsatz kommt, wird sie traditionell von 8 Schimmeln gezogen, und diese Pferde sind fast so berühmt wie die Royals selbst. Die Tradition der grauen/weißen Pferde (Greys) geht auf die Zeit zurück, als die britischen Monarchen auch Herrscher von Hannover waren. Schimmel galten als Symbol für Reinheit und Status.

Lebensgroße Modelle der Windsor Grey Pferde und Postillione in roten Prunkuniformen vor der Gold State Coach in den Royal Mews. Zu sehen ist das detaillierte goldene Pferdegeschirr.
Tradition pur: Die Postillione reiten direkt auf den Pferden, da die schwere Kutsche keinen eigenen Kutscherbock besitzt.

Windsor Greys heißen die Pferde, weil sie während der Regierungszeit von Königin Victoria in Windsor untergebracht waren. Heute leben sie direkt bei der Kutsche, in den Royal Mews in London.


Die Gold State Coach im Einsatz kannst Du im folgenden Video sehen:

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Weitere Informationen

Informationen zu den Royal Mews findest Du auf deren Website:

—> Royal Mews Buckingham Palace

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7 Gedanken zu „Gold State Coach – 4 Tonnen Prunk, Seekrankheit und 12 Milliarden Euro?“

  1. Da scheinen die Ingenieure bei der Berechnung wohl etwas geschlampt haben. 4 Tonnen Gewicht für das Teil scheint mir um einiges zu viel zu sein. Die Federung muss da echt Überstunden machen – und hydraulische Stoßdämpfer gab es damals nicht – genausowenig wie Unebenheiten auffangende Gummireifen.
    Das erinnert mich etwas an die „WASA“ – Schwedens Stolz. Ein Kriegsschiff, dass so schlecht konstruiert war, dass es schon bei der Jungfernfahrt sank..
    Aber das kommt davon, wenn man im nachhinein noch was ändern muss, weil der Auftraggeber größenwahnsinnig ist…
    Beste Grüße!
    P.

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